Studien zur Chiropraktik #10
Die Frage, ob chiropraktische Justierungen nicht nur die Beweglichkeit von Gelenken verbessern, sondern auch die Funktion des Nervensystems beeinflussen können, beschäftigt die Forschung seit vielen Jahren. Eine viel zitierte Studie aus dem Jahr 2016 liefert hierzu interessante Erkenntnisse.
Die Studie im Überblick
Im Jahr 2016 veröffentlichten Dina Lelic und Kollegen ihre Arbeit mit dem Titel:
„Manipulation of Dysfunctional Spinal Joints Affects Sensorimotor Integration in the Prefrontal Cortex: A Brain Source Localization Study“
im renommierten Fachjournal Neural Plasticity.
Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob chiropraktische Justierungen Auswirkungen auf die Verarbeitung sensorischer Informationen im Gehirn haben.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
An der Studie nahmen 19 Personen mit sogenannten subklinischen Beschwerden teil. Dabei handelt es sich um Menschen, die zwar keine starken Schmerzen aufwiesen, jedoch Funktionsstörungen im Bereich der Wirbelsäule hatten.
Jeder Teilnehmer durchlief zwei Sitzungen:
- eine chiropraktische Intervention,
- sowie eine Kontrollintervention.
Mithilfe eines EEGs (Elektroenzephalographie) wurden vor und nach den Behandlungen die Reaktionen des Gehirns auf sensorische Reize gemessen. Dabei interessierte die Forscher insbesondere die sogenannte sensorimotorische Integration – also die Fähigkeit des Gehirns, eingehende Informationen zu verarbeiten und in koordinierte Bewegungen umzusetzen.
Was fanden die ForscherInnen heraus?
Nach den chiropraktischen Justierungen zeigten sich messbare Veränderungen der neuronalen Aktivität. Mithilfe spezieller Analyseverfahren konnten die WissenschaftlerInnen feststellen, dass diese Veränderungen überwiegend im präfrontalen Cortex lokalisiert waren.
Der präfrontale Cortex spielt eine wichtige Rolle bei:
- der Bewegungsplanung,
- der Koordination,
- der Verarbeitung sensorischer Informationen,
- der Aufmerksamkeit,
- sowie der Anpassungsfähigkeit des Nervensystems.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass die beobachteten Veränderungen auf eine verbesserte sensorimotorische Integration hinweisen könnten.
Was bedeutet das für die Neuroplastizität?
Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Nervensystems, sich an neue Reize anzupassen und seine Verschaltungen entsprechend optimierend zu verändern.
Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass chiropraktische Justierungen die Aktivität bestimmter Hirnareale beeinflussen können. Dies wird von den Autoren als möglicher Hinweis auf neuroplastische Prozesse interpretiert.
Wichtig ist jedoch, zwischen kurzfristigen Veränderungen der Hirnaktivität und langfristigen strukturellen Anpassungen des Nervensystems zu unterscheiden. Die Studie konnte zeigen, dass unmittelbar nach der Justierung Veränderungen der neuronalen Verarbeitung auftreten. Sie beweist jedoch nicht, dass dauerhafte strukturelle Veränderungen im Gehirn entstehen.
Wissenschaftliche Einordnung
Die Arbeit von Lelic und Kollegen gehört zu den wichtigen neurophysiologischen Untersuchungen im Bereich der Chiropraktik. Sie liefert Hinweise darauf, dass chiropraktische Justierungen mehr bewirken könnten als rein mechanische Veränderungen an Gelenken.
Gleichzeitig sind weitere hochwertige Studien notwendig, um besser zu verstehen,
- wie lange diese Veränderungen anhalten,
- welche klinische Bedeutung sie besitzen,
- und in welchem Ausmaß sie tatsächlich mit langfristiger Neuroplastizität zusammenhängen.
Fazit
Die Studie von Lelic et al. (2016) zeigt, dass chiropraktische Justierungen messbare Veränderungen in der Verarbeitung sensorischer Informationen im Gehirn hervorrufen können. Insbesondere der präfrontale Cortex scheint dabei eine zentrale Rolle zu spielen.
Auch wenn diese Ergebnisse noch keinen endgültigen Beweis für langfristige Neuroplastizität darstellen, liefern sie spannende Hinweise darauf, dass die Wirbelsäule und das Nervensystem enger miteinander verbunden sind, als lange angenommen wurde.
Quelle

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