Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für Arbeitsausfälle weltweit. Besonders problematisch: Viele Betroffene erleben nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz erneut Schmerzen oder sogar eine neue Phase der Arbeitsunfähigkeit. Genau hier setzt die Studie Health Maintenance Care in Work-Related Low Back Pain and Its Association With Disability Recurrence der Autoren um CIFUENTES, M. aus dem Jahre 2011 an. Die Forschenden untersuchten, welche Form der Nachsorge das Risiko für erneute Ausfälle am besten reduziert.  

Worum ging es in der Studie?

Die Studie analysierte 894 Fälle von arbeitsbedingten, unspezifischen Rückenschmerzen. Grundlage waren Daten aus dem amerikanischen Workers’-Compensation-System – also Versicherungsdaten von Beschäftigten, die wegen Rückenschmerzen arbeitsunfähig waren. Die Betroffenen wurden über ein Jahr begleitet.  

Im Fokus stand die sogenannte „Health Maintenance Care“. Damit ist eine Form der Nachsorge gemeint, die nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz stattfindet. Ziel dieser Nachsorge ist es, Rückfälle zu verhindern und die Belastbarkeit langfristig zu stabilisieren. Dazu zählen beispielsweise Beratung, Übungen oder manuelle Therapien.  

Die Forschenden verglichen vier Gruppen:

  • Nachsorge bei Chiropraktikern
  • Nachsorge bei Physiotherapeuten
  • Nachsorge bei Ärzten
  • Keine weitere Behandlung nach Rückkehr zur Arbeit

Die wichtigsten Ergebnisse

Das überraschende Ergebnis: Beschäftigte, die nach ihrer Rückkehr weiterhin chiropraktisch betreut wurden, hatten das geringste Risiko für erneute Arbeitsausfälle.  

Die Studie zeigte:

  • Physiotherapie war mit einem etwa doppelt so hohen Risiko für erneute Arbeitsunfähigkeit verbunden.
  • Ärztliche Nachsorge zeigte ebenfalls ein erhöhtes Risiko.
  • Die chiropraktische Betreuung schnitt ähnlich gut ab wie „keine weitere Behandlung“ – allerdings mit leicht besseren Werten.  

Die Forschenden berücksichtigten dabei Faktoren wie Alter, Geschlecht und Schwere der Beschwerden, um die Ergebnisse möglichst vergleichbar zu machen.  

Was bedeutet das für Unternehmen und Beschäftigte?

Die Studie legt nahe, dass die Art der Nachsorge einen großen Einfluss auf die langfristige Stabilität bei Rückenschmerzen haben kann. Entscheidend ist offenbar nicht nur die akute Behandlung, sondern auch die Phase nach der Rückkehr in den Arbeitsalltag.

Für Unternehmen könnte das bedeuten:

  • Prävention und Nachsorge stärker in den Fokus rücken
  • Mitarbeitende nach einer Rückkehr aktiv begleiten
  • Bewegungs- und Belastungsmanagement langfristig unterstützen

Für Betroffene zeigt die Untersuchung vor allem eines: Rückenschmerzen enden nicht automatisch mit der Rückkehr an den Arbeitsplatz. Nachhaltige Strategien wie Chiropraktik sind entscheidend, um erneute Ausfälle zu vermeiden.

Einordnung der Ergebnisse

Wichtig ist allerdings: Die Studie beweist keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Sie zeigt lediglich Zusammenhänge. Außerdem stammen die Daten aus einem Versicherungssystem in den USA und beziehen sich ausschließlich auf arbeitsbedingte, unspezifische Rückenschmerzen.  

Neuere Forschung zeigt zudem, dass Bewegung, aktive Rehabilitation und regelmäßige körperliche Aktivität allgemein eine wichtige Rolle bei der Rückfallprävention spielen. So konnte eine aktuelle Studie zeigen, dass regelmäßiges Gehen das Risiko für erneute Rückenschmerzen deutlich senken kann.  

Fazit

Die Untersuchung liefert spannende Hinweise darauf, dass langfristige Betreuung bei Rückenschmerzen sinnvoll sein kann – allerdings nicht jede Form der Nachsorge gleich wirksam ist. Besonders interessant: Chiropraktische Betreuung war in dieser Studie mit den niedrigsten Rückfallquoten verbunden.

Klar ist aber auch: Rückenschmerzen sind komplex. Erfolgreiche Prävention braucht meist eine Kombination aus Bewegung, ergonomischem Arbeiten, individueller Betreuung und einem nachhaltigen Gesundheitsmanagement.